| Ein Erfahrungsbericht über die Entwicklung einer Vogelspinne,
angefangen von der Verpaarung, bis hin zum fertigen Spiderling am Beispiel
der Lasiodora klugi (von Detlef Beulke):
Meine Lasiodora klugi kaufte ich mir Anfang März 2003 während
eines Börsenbesuches der Internationale Reptilienbörse im Tanzbrunnen
in Köln in der fünften Fresshaut (NZ 2002). Am 14.06.2005 hatte
sie ihre Reifehäutung, seit dem ist sie geschlechtsreif, also adult.
Die letzte Häutung vor der Paarung war am 27.05.2006. Ein erster
Verpaarungsversuch mit einem Männchen ist am 17.03.2006 gescheitert.
Sie ließ dem Männchen keine Chance, er wurde bei dem Versuch
der Begattung von ihr aufgefressen.

adultes Weibchen |

adultes Weibchen |

Männchen und Weibchen im Terrarium |
Anfang September 2006 bekam ich dann von einem Freund erneut einen Klugi-Bock
ausgeliehen. Er baute sein letztes Spermanetz am 05.09.2006 und war damit
einsatzbereit für mein Weib. Am 08.09.2006 war die Verpaarung. Damit
der Bock nicht wie sein Vorgänger endet, dem Weib als Futter dient
und ebenfalls gefressen wird, stand ich während der Verpaarung mit
einer lange Pinzette bewaffnet dabei und passte auf ihn auf.
Der Bock ging zielstrebig auf das Weib zu. Die Verpaarung war recht üppig
und verlief ziemlich schnell. Doch dann "erwachte" sie aus ihrer
kurzen Starre und versuchte ihn zu packen. Ich ging dazwischen und konnte
Beide von einander trennen, ihm so das Leben retten und aus dem Terrarium
des Weibes entfernen.
Der Bock wurde ein paar Tage später an einen anderen Bekannten weitergegeben,
damit er eine weitere Chance erhält, seiner Bestimmung nachzukommen,
weitere Weibchen zu befruchten, um für möglicht viel Nachwuchs
zu sorgen.
Es vergingen einige Wochen, in denen das Weibchen einiges an Futtertieren
verschlang und sichtlich dicker wurde. Hierbei reiften die Eier im Adomen,
im Hinterleib des Weibchens heran. Am 18.11.2006 war es dann soweit. Zufällig
wurde ich Zeuge, wie sie ihren Kokon vorbereitete
Eine Ecke im Terrarium wurde mit Spinnfäden ausgelegt, in die sie
dann im Anschluss ihre Eier ablegte. Dieser "Teppich" bildet
die äußere Hülle des Kokons und schützt den Inhalt
vor äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit usw.

Böckchen |

Kokon-Vorbereitungen |

L. klugi Spermathek |
Die Eier treten aus dem Uterus, dem weiblichen Genitalbereich, zusammen
mit einer Flüssigkeit aus. In ihr befinden sich nun auch die männlichen
Samenzellen, die bis dahin in der Spermathek aufbewahrt wurden. Die Spermathek
kann man sich wie eine kleine "Tasche" aus einer Hautfalte vorstellen,
in der das Sperma überlebensfähig bleibt, auch über mehrere
Monate, gar Jahre vom Weibchen "gespeichert" werden können.
Die weißen "Flecken" sind die Öffnungen, durch denen
die Spinne ihre Atemluft bezieht, die sogenannten Buchlungen.
Auf dem nächsten Bild (siehe unten) das Weibchen bei der "Ablage"
der Eier zu sehen und wie die Flüssigkeit mit den Eiern austritt.
Die Flüssigkeit dient als "Gleitmittel" zur besseren Eiablage
und Verteilung der Samenzellen. Sie vertrocknet mit der Zeit. Der Vorgang
vom Beginn des Legens der Spinnfäden, bis hin zum fertigen Kokon
dauerte in diesem Fall mindestens 6 Stunden. Es vergingen auf den Tag
genau 4 Wochen, in denen sich nichts weiter tat. Das Weib verweigerte
die Nahrungsaufnahme und fraß zwischendurch gar nichts. Sie passte
jedoch ununterbrochen auf ihren Kokon auf, ließ ihn nicht für
einen Moment los.

Ei-Ablage |

der fertige Kokon |

Weibchen möchte Kokon fressen |
Dann jedoch musste ich am Sa., 16.12.2006 beobachten, dass das Klugi-Weibchen
gerade dabei war, ihren Kokon zu fressen. Die Eier schauten heraus und
bei genauerer Betrachtung sah ich, dass sich einzelne Eier bereits entwickelt
hatten und kleine Nymphen zu sehen waren. Also musste ich ganz schnell
handeln. Ich nahm dem Weib mit meiner langen Pinzette den Kokon weg. Sie
versuchte ihn vorher noch vor mir zu retten und wollte ihn unter die Korkrinde
ziehen, die ich ihr als Höhle zur Verfügung stellte. Ich bekam
jedoch noch zeitig den Kokon zu greifen, entnahm ihn, öffnete ihn
jetzt ganz und kippte den gesamten Inhalt in eine vorbereitete Heimchendose
(HD).

Der Kokon-Inhalt |

unentwickeltes Ei |

Nymphe nach 5 Wochen Entwicklung |
Es handelte sich um mehrere einhundert, vielleicht bis an die 1000Eier.
Einige hatten sich bereits schwarz gefärbt. Andere, nicht entwickelte
Eier haben einen weißen Punkt. Diese mussten schnell von den sich
entwickelten Nymphen getrennt werden. Ein einzelnes Ei ist kleiner als ein
Stecknadelkopf und sieht aus, eine kleine kreisrunde Kugel.
Auch wenn es auf dem Bild der Nymphe so aussieht, als würden dem
Tier "FÜNF" Beinpaare wachsen, handelt es sich bei dem
vermeintlichen ersten Beinpaar nicht um Beine, sondern um die Tastorgane,
die sogenannten Kiefertaster. Diese Larve ist noch nicht im Stande sich
selbstständig von der Stelle zu bewegen. Einzelne Bewegungen der
kleinen Beinchen sind jedoch bereits erkennbar. Ebenso die bereits in
diesem Stadium ausgeprägten zweigeteilten Chelizeren wie es auf dem
Bild bei der Nymphe in Rückenlage gut zu erkennen ist (siehe unten).

Chelizeren zu erkennen |

2. Nymphen-Stadium |

Das große Krabbeln |
Im Januar hatten sich die Nymphen erneut gehäutet und befinden sich
nun im zweiten Stadium. Die Larven können sich bereits selbstständig
bewegen. Ein "Ei" mit "Beinen" könnte man meinen.
Nun bereits gut erkennbar ist der Augenhügel, auf dem sich die 4
Augenpaare mit insgesamt 8 Augen befinden. Ebenfalls erkennt man die erste
leichte Behaarung an den Beinen und am Abdomen.
Erfreulicher Weise haben die Fressattacke des Muttertieres so um die
200 Tiere überlebt. Einen Teil sieht man auf dem oberen Bild. Auf
einem der folgenden Bild
von der Qualität einmal abgesehen,
ist bereits eine leichte Veränderung erkennbar.
Im zweiten folgenden Bild ist zu erkennen, dass unten links und in der
Mitte zwei Larven in ihrer Entwicklung hinterher hinken. Oben rechts eine
Larve, die bereits dabei ist, sich zu verändern und der nächste
Schritt wird sein, die Dunkelfärbung, wie bei dem Tier oben links.
Dieses Bild wurde am 02.01.2007 aufgenommen und ist der ungefähre
Stand von heute.
Weitere Bilder folgen in Kürze ...

Die Entwicklung... |
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Stand: Do., 04.01.2007 |